10-Länder-Tour

neuer Job, neues Jahr, neues Glück, neuer Urlaub, neue Berichte

 

ENDLICH!

Ja, endlich, auch für mich. Die letzten beiden Jahre seit big-C waren etwas nervenaufreibend. Entscheidungen für die Zukunft wurden getroffen (siehe hier - auch da geht es demnächst weiter), Entscheidungen, die man besser nicht getroffen hätte wurden getroffen und revidiert, und mittlerweile habe ich mich wieder etwas gefangen und kann endlich wieder leben.

Und dann gibt es die Entscheidungen die mich jetzt zu dieser kleinen Tour gebracht haben. War so eigentlich keine zusammenhängende Geschichte, aber es ist halt eine geworden. Aber was das für Entscheidungen waren, werdet ihr dann die auf den nächsten Seiten lesen können. Sagt man im Internet überhaupt Seite, wenn man in einem einzigen Reisebericht schreibt, bzw. liest? Jetzt habe ich die Seite schon so lange, und frage mich das jetzt erst, aber ich schweife ab.

Viel Spaß beim lesen und lasst mir gerne einen Kommentar im Gästebuch, das fühlt sich etwas einsam...

 

Die Bildergalerie mit einer weiteren Auswahl aus rund 1.000 Bilder ist jetzt auch online - viel Spass beim angucken.

Tag 1 - von Zuhause nach Wdorf (196 km)

Freitag der 13ten, ähm, 17te, aber fast. Eigentlich ist das noch gar nicht Urlaub, ich muss am Dienstag nochmal arbeiten. Trotzdem, das Motorrad ist gepackt und es geht los. Da es etwas weit wäre bis zum ersten fixen Zwischenziel habe ich mich so organisiert, dass ich die etwas splitten kann. Also besuche ich bevor es richtig losgeht noch meine Eltern, schraube bzw. pinsel noch ein bisschen an meiner neuesten Errungschaft herum, mach tatsächlich noch ein wenig nichts und bevor es dann, ohje, die Wetteraussichten für Dienstag sind ja übel, richtig los geht.

Tag 2, 3 + 4

Samstag, letzte Woche habe ich glücklicherweise noch einen Stellplatz für mein Spielzeug gefunden, und da geht es heute hin. Die ganzen Winkelprofile, innen wie aussen, benötigen ihren wasserdicht-Anstrich, und das Wetter ist ideal, um sich in die Sonne zu parken und fleissig mit 2K-Lack zu pinseln. Fast den ganzen Tag habe ich damit zugebracht, abzukleben, zu entfetten und letztlich zu streichen.

aussen fertig lackiert steht er wieder an seinem Platz bevor es irgendwann nach diesem Urlaub weiter geht
aussen fertig lackiert steht er wieder an seinem Platz bevor es irgendwann nach diesem Urlaub weiter geht
nach zwei Jahren endlich mal wieder die guten Heidenau aufgezogen
nach zwei Jahren endlich mal wieder die guten Heidenau aufgezogen

Sonntag und Montag ist dann nicht mehr viel passiert.

Ein paar kleinere Modifikationen wie Räder wechseln. Für die geplante Tour muss ich keine 400-Euro-Strassenreifen vernichten, da kommen wieder die guten Heidenau drauf, bevor die irgendwann "alt" werden, 2 Jahren haben sie schon auf dem Buckel und wenn man genau hin schaut sieht man noch die Löcher wo 2022 bei der Savalenrally die Spikes eingedreht waren, aber wenn man halt nicht fahren kann ist blöd.

Natürlich eine kleine Einfahrrunde, die ich aber nicht auf die Tour aufrechne (vor allem weil ich vergessen habe zu schauen wie viel Kilometer es tatsächlich waren), Luftdruck prüfen, voll tanken, und dann kann es ja los gehen.

Gepackt ist auch schon das meiste, joa, kann los gehen. Ich bin schon ganz hibbelig, hihi...

Meine Arbeitsuntensilien, welche ich morgen noch im home-office benötige, sammel ich dann erst auf dem Rückweg wieder ein.

Tag 5 - homeoffice in Wdorf und Re-Start bis Eggenfelden (317 km)

Das Mobbed ist fast vollständig gepackt, ein paar Kleinigkeiten wie Kulturbeutel noch, aber, ich muss ja noch ein bisschen arbeiten heute. Als ich so morgens um halb sechs meine Arbeitsutensilien auspacke und aufbaue stelle ich fest, dass ich mein Ladegerät für den Laptop vergessen habe. Naja, starten wir mal und schauen später ob wir dem Stromproblem Abhilfe schaffen können. Etwas nervös wurde ich, als mir die Anzeige bereits um kurz nach 8 Uhr signalisiert, dass der Akku nur noch eine Stunde halten soll. Das wäre etwas wenig, gab es doch noch das ein oder andere zu organisieren. Also alles Mögliche und Unmögliche versucht, dem Akku mehr Leben zu geben, aber alle Versuche blieben erfolglos. Nichts desto trotz, gutes Teil, erst um kurz vor halb zwölf hat sich der Laptop dann verabschiedet und ich war gezwungen Feierabend zu machen – was ein Ärgernis, hihi. Noch ein entspanntes Mittagessen, alles fertig packen und dann langsam los. Regen, na prima, im Regen los fahren mache ich ja gar nicht gern, aber ich hatte ja ein Ziel vor Augen. Also noch nicht los, sondern erst die Motorradstiefel noch mit Plastiktütchen und Panzertape wirklich wasserdicht machen und dann geht es los. Aber auch die Handschuhe

Plastikschuhüberzieher und Panzertape machen die Stiefel dicht - hoffentlich
Plastikschuhüberzieher und Panzertape machen die Stiefel dicht - hoffentlich

waren nicht mehr das was sie mal waren, zwar dicht soweit, aber das Innenfutter hat sich gelöst, und sobald man mit feucht Finger da rein will, wird es problematisch, weil sich beim Ausziehen, das Innenfutter löst und überall ist nur nicht da wo die Finger sind. Also immer noch nicht los, sondern nochmal kurz schauen wo entlang der Strecke es Motorradzubehör zu kaufen gibt. In Buchloe war es dann soweit, kurz runter von der Autobahn, neue Handschuhe gekauft und weiter, es ist erst Halbzeit. Um 19 Uhr war ich dann im Hotel. Eigentlich wollte ich noch voll tanken, naja, ich habe es gemacht, aber nicht mit dem was ich wollte, denn das gute Super-Plus war nicht verfügbar – armes Deutschland. Da das Hotel kein Restaurant hatte bestell ich mir eine Pizza; Wie der liefert erst ab 15 Euro Mindestbestellwert? Na gut, bring noch Bier mit, bis wir die 15 Euro voll haben, dann passt das schon. Aber alt bin ich dann auch nicht mehr geworden und zeitig ins Bett. Morgen kommt ja die nächste grosse Etappe auf dem Weg zum ersten eigentlichen Zwischenziel.

Tag 6 – Eggenfelden bis Ptuj (SLO) (515 km)

So, heute gilt es Strecke machen, noch über 1.000 km bis zum ersten geplanten und gebuchten Zwischenziel dieser kleinen Runde. Das Wetter sah alles andere als prickelnd aus, weswegen ich gleich die Regenkombi angezogen hab. Regen war zwar erstmal nicht angekündigt, aber bei 12°C ist es auf Dauer einfach trotzdem ziemlich zugig, und da hilft der Regenkombi als Windstopper doch auch etwas. Erstmal über den Alpenhauptkamm, Tauernautobahn, wie langweilig, aber hilft ja nichts. Auf der Alpensüdseite dann endlich Sonne, oh, verdammt, wo kommt jetzt die Regenwolke her. Gut, dass ich grad sowieso ein Päuschen hatte, so konnte ich gemütlich von drinnen warten bis der Regenguss vorbei war. Weiter geht’s. Nächstes Päuschen am Wörthersee. Ab hier geht es runter von der Autobahn, endlich, und ich versuche noch ein paar Kurven zu finden. So schwer dürfte das ja nicht sein, bin ja noch nicht ganz raus aus den Alpen. Da es mit Sonne aber dann doch ganz ordentlich warm wird in der Gummitülle, wird es Zeit sich dieser zu entledigen. Ein paar Kilometer weiter sieht es aber dann gar nicht mehr nach Sonne aus, und wie ich an der Tankstelle stehe fängt es tatsächlich wieder an zu regnen und es sieht nicht so aus, wie wenn es die nächste Stunde wieder aufhört. Also Regenkombi wieder an und weiter geht’s. Einen kleinen Pass galt es noch zu überwinden, und da sah man, was da im Tal unten ein kleiner Regenschauer war, war oben auf dem Bergen ein regelrechter Hagelsturm, da ist mir der Schneepflug entgegen gekommen und wenige Meter später habe ich gesehen, welche Berge an Hagel der zur Seite geschoben hat. Da es aber immer noch ziemlich stark geregnet hat, wollte ich nicht anhalten und Foto rauskramen um das zu dokumentieren. Ausserdem, waren es ja auch immer noch rund 100 km bis zur spontan gebuchten Frühstückspension in Slowenien. Ein Abendspaziergang in die Stadt zum Abendessen offenbarten mir dann noch ein paar richtig schöne Ausblicke über die Stadt Ptuj.

Blick von meinem Panorama-Hotel über Ptuj, links das Schloss
Blick von meinem Panorama-Hotel über Ptuj, links das Schloss

Tag 7 – Ptuj bis Belgrad (SRB) (499 km)

Frische Säfte, selbstgemachte Marmelade, selbstgemachte Wurstwaren, Quark und frisches Obst, boah, ich hätte mich rein legen können. Dazu frisch gebackenes Brot. Einfach herrlich. Nach diesem absolut delikaten Frühstück ging es weiter. Kurz darauf war ich an der Grenze, ganz ehrlich, so viel Stacheldraht hab ich zuletzt an der Grenze zwischen Usbekistan und Turkmenistan gesehen, trotzdem war natürlich freie Fahrt innerhalb der EU. Danach wurde es wieder etwas langweilig, entlang der Drau ging es immer weiter nach Osten, wenig Kurven, wenig Spannung, selbst der Grenzübertritt nach Serbien war problemlos nach ein paar Minuten Wartezeit erledigt. Kurz vor Novi Sad hat der Himmel nochmal seine Schleusen geöffnet, dass ich mich lieber eine halbe Stunde untergestellt habe, bevor ich die letzten rund 90km für heute in Angriff genommen habe. Zielsicher hat mich das Navi an mein gebuchtes Apartment geführt, wo ich das Motorrad sicher in der Tiefgarage verstauen konnte. Auch wenn die Abfahrt in selbige nochmal ein Erlebnis für sich war. Auf 16 Meter Länge, ich bin es abgelaufen, ging es schlappe 5 Meter nach unten, über einen Radius von vielleicht 3,5 Meter. Serpentinenfahren in den Alpen ist Kindergarten dagegen, zumal dort der Strassenbelag in besserem Zustand ist, als dieser Feldweg. Noch eine Kleinigkeit essen, es wurde dann ein Monsterburger mit 400 Gramm Hackfleisch, und es wird Zeit fürs Bett.

der Trick mit dem Panoramabild, links die Strasse kam ich her, nach rechts muss ich
der Trick mit dem Panoramabild, links die Strasse kam ich her, nach rechts muss ich

Tag 8 – Belgrad

Erstes geplantes Zwischenziel, ich mache mich morgens um kurz nach halb neun auf den Weg ins Zentrum, wo ich Tobias treffe. Die Suche nach dem Frühstück war irgendwie zäh, so was richtig lokales wie wir es uns erhofft hatte, war einfach nicht zu finden, vielleicht waren wir aber auch zu blöd. Letztendlich sind wir dann in ein Restaurant und haben gleich einen grossen Berg Mittagessen bestellt, das war wenigstens lokales Essen und hat auch hervorragend geschmeckt. Fertig mit dem Essen regnet es noch mehr als vorher, weswegen wir

auf der Burg in Belgrad
auf der Burg in Belgrad

mangels Regenschirm nicht wirklich weit gekommen sind. Schätzungsweise eine Stunde rumgammeln und dann kam endlich wieder die Sonne raus. Auf geht’s zur Festung von Belgrad. Dort angekommen stolpern wir in die Vorbereitungen eines Burger-Festivals – Hauptsponsor: Die Amerikanische Botschaft, völlig bescheuert, aber gut. Die Burg selbst ist eine doch recht grosse Anlage oberhalb des Zusammenflusses von Donau und Save. Irgendwie verging die Zeit doch schneller als gedacht und so haben wir uns auf den Weg gemacht zum Usze-Park, dort spielt nachher RAMMSTEIN. Ganz dezent neben der Warteschlange am Einlass haben wir uns angestellt, um uns dann bei Toröffnung elegant unter die ersten zu mischen die Einlass gefunden haben. Zehn Meter zentral vor der Bühne haben wir unseren Platz bezogen und durften warten bis es los ging. Wie fast immer die letzten Jahre hat das Pianistenduo Jatekok und Abélard das Konzert mit Rammstein-Lieder, gespielt auf dem Piano, das Konzert eröffnet. 45 Minuten später war es dann soweit. Mit dem RAMMLIED haben RAMMSTEIN die über zweistündige Show gestartet und wie immer hervorragend abgeliefert. Und wie es sich für eine Band mit 30-jährigem Bestehen gehört, haben sie auch tatsächlich viele alte Lieder gespielt. Kurz vor ein Uhr am Morgen war ich dann auch im Bett, was ein Tag – 23 km behauptet der Schrittzähler.

einfach eine krasse Bühne
einfach eine krasse Bühne

Tag 9 – Belgrad bis Sarajevo (BIH) (405 km)

Heute bin ich logischerweise etwas später aus dem Bett gekommen. Erstmal kurz in den Supermarkt unten und was zum Frühstück holen. Dann alles wieder zusammen packen und das Navi programmieren. Irgendwann ging mir das blöde Ding aber auf den Senkel, weil es trotz der Vorgabe kurvige Strecken zu fahren, ständig auf die Autobahn wollte. Um halb zehn ging es los, als Ziel hab ich dem Navi dann gesagt, dass ich irgendwo östlich der Stadt raus kommen will. Eine halbe Stunde später habe ich die Stadt der ungeklärten Abwässer dann hinter mir gelassen und endlich hat auch das Navi verstanden was ich will. Kurvenreiche Strecken! Gegen Ende der Etappe wurde ich dann nochmal etwas nervös. Seit deutlich über 50 km leuchtet schon wieder die Tankanzeige. Aber dank sparsamer Fahrweise war ich mit unter 5 Liter unterwegs und hatte immer noch über 2 Liter im Tank, also nochmal fast 50 km. Nachdem ich in Sarajevo mein Hotel bezogen hatte und in die Stadtmitte getigert bin zum Abendessen habe ich mal grob die Tage gegen die noch zu absolvierende Strecke gerechnet und dann beschlossen eine weitere Nacht in Sarajevo zu bleiben und morgen eine kleine Inlandsrunde zu drehen. Noch ein Bierchen im Hotel und dann war auch Zeit für die Heia.

der Blick vom Vidikovac Paljba Pass südlich von Belgrad
der Blick vom Vidikovac Paljba Pass südlich von Belgrad
Die Mehmed-Paša-Sokolovic-Brücke in Višegrad im südöstlichen Bosnien
Die Mehmed-Paša-Sokolovic-Brücke in Višegrad im südöstlichen Bosnien

Tag 10 – Sarajevo-Mostar-Sarajevo (308 km)

Ich habe nicht gut geschlafen, es war viel zu warm, und das Dachfenster konnte ich nicht öffnen, denn es prasselte die ganze Nacht bestes Motorradfahrwetter auf selbiges. Nun denn, lass ich mir Zeit mit dem Frühstück, und tatsächlich wurde das Wetter besser. Das Regenradar war sogar so gut, dass ich beschlossen habe, die Regenkombi nicht anzuziehen. Gute Entscheidung, das Wetter wurde besser, es lugte immer wieder die Sonne durch die Wolken. Das Navi hat auch heute verstanden was ich will, nur musste ich dann meinem Können Tribut zollen und gleich relativ zu Anfang der geplanten Runde, einen ungeplanten Rückweg in Kauf nehmen, weil es einfach nicht weiter ging. Vielleicht wenn man zu zweit oder dritt gewesen wäre, aber alleine war mir das einfach nicht geheuer. Und so kam es, dass ich bis Mostar nicht wie geplant ein bisschen mehr wie drei Stunden gebraucht habe, sondern deutlich über 5 Stunden. Auf auf dieser

auch wenn es nicht so aussieht, nach dem Schlammloch ging es steil nach oben, da war für mich dann Schluss
auch wenn es nicht so aussieht, nach dem Schlammloch ging es steil nach oben, da war für mich dann Schluss

Strecke bis Mostar war auch alles dabei. Vom Schlamm wo ich nicht mehr weiter kam bis zur perfekten „Rennstrecke“ wo beim Kurvenfahren die Stiefelspitzen den Asphalt küssen. Der Mangel an Sprachkenntnis hat mich dann fast in eine Polizeikontrolle getrieben. Ich mein, was soll diese komische laaange weisse Linie mitten auf der Strasse? Und was bedeuten runde, weisse Schilder mit rotem Rand und Zahlen drauf? Die einzige Reaktion die die Polizisten zeigten war aber „Daumen nach oben“, hihi, Glück gehabt. Einfach genial. So ein bisschen „das letzte kleine Abenteuer was es in Europa zum erfahren gibt“, im doppelten Sinne.

 

In Mostar dachte ich, dass es die Sonne noch schafft, aber dem war nicht so, schade, aber ein Eis hab ich mir im Strom der Touristen doch noch ergattern können, um mich damit dann an eine etwas ruhigere Ecke zu setzen und die Szenerie auf mich wirken lassen zu können. Nun denn, weiter geht’s.   bisschen Füsse vertreten und sightseeing, und wie ich 20 Minuten später wieder beim Motorrad bin, fängt es an zu schütten – war ja klar. Regenkombi an und weiter. Es hat dann auch bis Sarajevo nicht mehr aufgehört. Schade eigentlich, denn kurz vor Sarajevo auf nem kleinen Pass, war noch eine kleine Sauenbraterei, das hat mich schon Kilometer vorher mit dem Duft eingelullt, aber als ich dort war hat es nochmal extra geschüttet und ich dachte mir, dass wenn ich jetzt absteige, bin ich nass, bevor ich in der Hütte bin, und bin dann weiter gefahren. Das Bild, wo die unzähligen Spanferkel über den Grills rotiert habe, werde ich aber in Erinnerung behalten.

Die berühmte Brücke in Mostar
Die berühmte Brücke in Mostar

Tag 11 – Sarajevo bis Pecs (HUN) (387 km)

Gestern hab ich noch die Landkarten studiert und beschlossen, dass ich einen grossen Sprung bis Ungarn machen will. Die Strecke bis Tuzla war insgesamt sehr Abwechslungsreich. Inklusive einem Ausflug in den Steinbruch, keine Ahnung wie das passieren konnte, durfte ich mich auch mal wieder vor allerhand Getier in Acht nehmen. Ich mein, dass Kühe auf der Strasse rumrennen ist normal, die bissigen

mein Mobbed auf Instagram - oder so
mein Mobbed auf Instagram - oder so

Köter die einem ins Motorrad rennen ist man auch schon gewohnt, aber vor Fledermäusen wurde ich bis dato noch nicht gewarnt. Nach Tuzla wurde es mal langweilig, weswegen ich nochmal eine kleine Pause eingelegt habe um die Landkarte zu studieren und das Navi neu zu programmieren, und siehe da, ein paar Kurven gibt es ja doch noch. Als ich so den einen Pass wieder gemütlich runter rolle, kommt mir doch tatsächlich ein Rentner in seinem Elektrorollator entgegen, voll im Drift den Pass hoch, hihi. Was sagt uns das? Ich bin zu langsam. Weit und breit nichts und niemand, und dann dieser Rentner, natürlich nicht im Drift aber bis zum nächsten Haus bestimmt 5 km in beide Richtungen, einfach zu lustig. Es war mittlerweile Mittagessenszeit, da steht ein Restaurant angeschrieben und ich drehe ab. Da aber ein gewisses Verständigungsproblem herrschte, und auch keine Kartenzahlung möglich war, blieb es bei einer Coke und ich habe mich wieder auf’s Motorrad geschwungen. Kurz danach war ich an der Grenze zu Kroatien und es wurde fahrerisch wieder richtig fad. Zwischen Save und Drau ist halt einfach nichts als Flachland. Nun gut, das bringe ich schnell hinter mich und kurz nach der Grenze zu Ungarn habe ich mein Hotel bezogen.

Tag 12 – Pecs bis Deva (RO) (473 km)

Während des Abendessens war mal wieder das Studium der Landkarten angesagt. Auch habe ich nochmal gerechnet wieviel Tag ich noch habe bis zum nächsten Ziel. Und da ich irgendwie schon wieder Zeit hatte, hab ich den ersten grossen ungeplanten Umweg geplant. Mal kurz nach Rumänien. Ungarn ist ein flaches und wenig interessantes Land zum Motorrad fahren, da reizen die westlichen Karpaten in Rumänien umso mehr, zumal sie nur noch einen Katzensprung entfernt sind. Nun gut, Katzensprung ist relativ, wenn man die gefahrenen Kilometer anschaut, aber da 2/3 davon über langweilige geradeausstrecken in Ungarn geführt haben, war auch das schnell gefahren. Die Industriestadt Arad in war noch ein kleines Chaos, aber danach ging es über eine gut ausgebaute, aber sehr kurvenreiche Strasse weiter nach Osten. Bevor ich mich in Deva (Diemrich) ins Hotel begeben habe, noch ein bisschen Kultur auf der Burg Hunedoara in Eisenmarkt. Ein weiteres Highlight des heutigen Tages, nach der erneut entgangenen Polizeikontrolle, als ich gerade runter geschalten habe und mit hoher Drehzahl und ordentlich Lärm durch die Kurven gefegt bin.

Die Burg Hunedoara in Eisenmarkt
Die Burg Hunedoara in Eisenmarkt

Tag 13 – Deva bis Satu Mare (360 km)

Die Wettervorhersage hat eigentlich Sonne satt angekündigt, interessant. Stark bewölkt, aber zumindest ohne Regen, der Regenradar war auch vielversprechend, da können wir ja los. Wie geplant haben mich beste Kurven erwartet und das Fahren hat mich wieder sichtlich

solch lauschigen Pausenplätze finden sich häufig in Rumänien
solch lauschigen Pausenplätze finden sich häufig in Rumänien

begeistert. Eigentlich war der Plan, dass ich Richtung Baia Mare fahre, aber als ich in entsprechendes Tal einfahre sah das Wetter so schlecht aus, dass ich abgedreht bin und doch noch 50km extra dran gehängt habe und letztlich in Satu Mare gelandet bin. Das auserwählt Hotel war zwar dem Navi bekannt, die Strassen im Stadtzentrum aber nicht mehr. So kam es, dass ich locker ne dreiviertel Stunde durch die Stadt geirrt bin, bis ich vermeintlich hotelnah, das Motorrad abgestellt habe, und mich in der Hitze der Stadt per pedes auf die Suche nach dem Hotel gemacht habe. Nachdem ich das endlich gefunden hatte, weil es zu allem Überfluss auch noch eingerüstet war und der Hotelname nicht lesbar, konnte ich zumindest mit dem Hotelmanager vereinbaren, dass ich mein Motorrad vor dem Hotel parken kann. Gesagt getan, und als ich vom Duschen kam, stelle ich fest, dass sich schon die ersten Tropfen Honigtau der Linden auf dem Motorrad liegen, da hab ich schnell nochmal umgeparkt, die Stühle und Tische zur Seite gerückt und mich unter den Sonnenschirm gestellt.

Tag 14 – Satu Mare bis Svidnik (SVK) (281 km)

Frühstück und weiter geht’s. Gestern Abend hatte ich noch die spontane Idee, dass ich ja noch nach Belarus fahren könnte, hab ja noch Zeit. Eine erste Recherche und die Rückfrage bei einem ehemaligen Arbeitskollegen sagten aber, dass das ohne Visum nicht möglich ist. Schieben wir den Gedanken erstmal zur Seite und stellen uns in die Reihe am Grenzübergang nach Ungarn. Das hat wieder ewig gedauert,

vor neun Jahren bei meiner Reise habe ich hier am Duklapass zwischen Slowakei und Polen schon einmal angehalten
vor neun Jahren bei meiner Reise habe ich hier am Duklapass zwischen Slowakei und Polen schon einmal angehalten

zurück in den Schengenraum zu kommen. Aber gut. Es war sonnig und warm. Als es nach der Grenze endlich weiter ging hatte ich alle Lüftungsschlitze an der Motorradkombi offen um ein bisschen Abkühlung zu erhalten. Zack, verirrt sich eine Biene in den Ärmel der Jacke und sticht zu. Gut, dass mich das nicht juckt wenn es mich juckt, so ging es relativ schnell weiter. Mein heutiges Ziel in der nördlichen Slowakei war noch einige Kilometer entfernt. Das Navi wollte mich über die Ukraine schicken, was ja aber grad nicht möglich war. So habe ich mich entlang der Grenze vorgearbeitet bis ich einen Grenzübergang von Ungarn in die Slowakei gefunden habe. Weiter ging es nach Norden in Richtung der nördlichen Karpaten oder auch der Hohen Tatra. Vor neun Jahren war ich schonmal in der Ecke, da haben wir im „Tal des Todes“ unsere Zelte neben einem Panzer aufgebaut. Da ich das Zelt dabei hatte, hatte ich das wieder vor, der mittlerweile einsetzende Regen hat mich dann aber davon abgehalten. Im Hotel kam dann der Gedanke von gestern Abend wieder, und eine kleine Internetrecherche später, war klar, Belarus ist möglich. Die Grenzregionen Brest und Grodno sind mit einem einfachen Einladungsschreiben visafrei für 15 Tage besuchbar. Also habe ich noch schnell ein paar emails getippt und geschaut was geht.

Tag 15 – Svidnik bis Brest (BLR) (448 km)

Ich hatte zwar das bequemste Bett seit ich gestartet bin, aber die Hitze im Zimmer war wieder zu viel des Guten, Fenster auf war zu kalt, weil das Leintuch als Decke nicht wirklich was gebracht hat. Das Frühstück war aber lecker und als alles gepackt war, war immer noch keine Antwort da von meinen gestrigen Anfragen. Also habe ich die eine Agentur angerufen. Das Gespräch war schnell beendet, da die gute Dame kein Englisch konnte. Aber es hat soweit gereicht zu sagen, dass ich schreiben soll, dann kann sie mit Hilfe eines Übersetzungsprogramms weiter helfen. Und so kam es, dass ich bereits die ersten 200 km hinter mich gebracht habe, bis ich das Einladungsschreiben hatte. Es gab einen Haken, das Einladungsschreiben muss am Tag VOR der Einreise ausgestellt werden, sprich, im schlimmsten Fall darf ich erst ab Mitternacht ins Land. Also habe ich noch ein paar Umwege in meine Route zur Grenze eingebaut und durfte mich kurz vor dem Ziel nochmal zwischen linkem und rechtem Gewitter entscheiden. Die Strassen haben die Mitte vorgegeben und

glasklare Quelle in Polen lädt ein für eine kurze Pause
glasklare Quelle in Polen lädt ein für eine kurze Pause
fast bewohnbare Häuser laden da eher weniger ein
fast bewohnbare Häuser laden da eher weniger ein

so hab ich ein bisschen was von beiden Gewittern mitgenommen. Kurz nach 18 Uhr an der Ausreise von Polen. Artig wie ich bin habe ich mich hinten angestellt, es hat aber keine 2 Minuten gedauert, da kam einer aus der Schlange und meinte, dass Motorradfahrer in Belarus immer vor fahren dürfen. Welch Freude. Die Schranke geht auf und ich fahre durch. Ah, da sind EU-Bürger, da muss ich hin. Ich rolle zum Kontrollhäuschen und bekomme gleich mal nen Anschiss. Ups, da hab ich die grüne Ampel am Häuschen gesehen und die rote Ampel 15 

warten auf Einlass an der Grenze zu Belarus
warten auf Einlass an der Grenze zu Belarus

Meter vorher übersehen. Viele Entschuldigungen später, hat der Grenzbeamte meine Papier kontrolliert und eine Stunde nach Ankunft an der Grenze mach ich mich auf den Weg zum belarussischen Grenzposten. Tja, aber der schlimmste Fall tritt ein, auf der Einladung steht der nächste Tag, und die junge Grenzbeamtin wollte sich wohl noch profilieren und hat mich nach Rücksprache mit ihrer Kollegin nach hinten geschickt. Dem Gespräch nach zu urteilen hätte mich die ältere Kollegin wohl durch gelassen, aber am Ende hat die Junge sich durch gesetzt. Pech gehabt. Um 23:50 Uhr melde ich mich wieder an der Passkontrolle. Die junge Dame schaut auf die Uhr und schaut mich dann böse an und schickt mich wieder weg. Na gut, war ein Versuch wert. Okay, Pass war dann um 00:02 Uhr endlich gestempelt, weiter geht’s zum Zoll. Während meiner Wartezeit das ein oder andere Gespräch geführt und auch die ein oder andere Geschichte vernommen. Eine davon war, dass jedes Fahrzeug das nach Belarus fährt, geröntgt werden soll, und ich habe dieses Spiel auch beobachten können. Selbst die Motorradfahrer durften ihr Fahrzeug zum Durchleuchten bringen. Das kann ja heiter werden, denn die Warteschlange ist schon beachtlich. Nun denn, zwei Stunden später, als sich endlich mal eine Zöllnerin meiner annimmt denke ich so bei mir, die Hotelbuchung hätte ich mir sparen können. Aber, ein kurzer Blick in meine Koffer später, und ich durfte ohne röntgen weiter fahren. Um 02:45 Uhr war ich im Hotel, seit dem Frühstück nichts mehr gegessen, da hab ich mir ein schnelles Bier verdient. 03:15 Uhr, Licht aus, Gute Nacht.

Tag 16 – Brest

Dass ich ein bisschen länger geschlafen habe mal wieder ist ja nicht verwunderlich. Das Frühstücksbuffet war grossartig und um kurz nach zehn Uhr mach ich mich auf den Weg die Stadt zu erkunden. Die Festung in Brest hat eine bewegte Geschichte, mal unter polnische Besatzung, dann Hauptquartier der Wehrmacht für die Ostfront, später dann russisch besetzt. Eintritt zur Anlage, braucht es nicht, lediglich ein kleiner Obolus wird für das Archäologische und das Historische Museum auf dem Gelände fällig, umgerechnet war das glaub ich 1Euro Fümpfzig. Aufgrund der Grösse der Anlage war ich dort einige Stunden zugange bevor ich mich auf dem Weg in Richtung Zentrum dann noch in das Eisenbahnmuseum „verirrt“ habe. Sehr schön aufgebaut, die Technik sichtbar gemacht indem man ganze Dampflokomotiven aufgeschnitten hat um das innere zu zeigen, habe ich so noch nirgendwo gesehen. Sehr schön gemacht. Aber auch hier das kleine Manko wie in der Festung schon, es ist alles nur auf Russisch beschrieben, schade, da könnte man noch ein bisschen was machen.

der Eingang zur Festung von Brest
der Eingang zur Festung von Brest
Der Fluss Muchawez, Teil der Befestigungsanlage der Festung
Der Fluss Muchawez, Teil der Befestigungsanlage der Festung
aufgeschnittene Lokomotive im Eisenbahnmuseum
aufgeschnittene Lokomotive im Eisenbahnmuseum

Tag 17 – Brest

Ein weiterer Tag in Brest soll mich heute zuerst zum Bahnhof führen. Von aussen ein architektonisches Meisterwerk, innen irgendwie in den 60er Jahren stehen geblieben, aber stilvoll und passend. Interessant war, dass der neue Teil des Bahnhofs offensichtlich nicht genutzt wird, und immer noch alles über die alten Bahnsteige abgewickelt wird. Schnell hat man alles gesehen, da geht es langsam wieder zurück

der Bahnhof von Brest
der Bahnhof von Brest

Richtung Zentrum. Die Gogolia-Street ist mein nächstes Ziel. Geschmiedete Strassenlaternen in allen möglichen und vor allem unmöglichen Ausführungen machen das sehr interessant. Ich weiss es nicht, wie viele es insgesamt waren, aber ich denke mal so um die 40, teilweise musste ich einfach lachen, sehr schön und unterhaltsam. Entlang der Gorolia-Street liegt auch der Brester Sportkomplex mit Stadion. Alle Türen geöffnet, freier Eintritt, na dann wollen wir mal, wenn wir schon grad da sind. Weiter geht es in Richtung Fussgängerzone. Ich will unbedingt noch ein Aufkleber kaufen mit der Belarussischen Fahne, oder die ovalen mit BY für’s Auto, fündig geworden bin ich allerdings nicht. Ein lustiges Erlebnis war dann das Abendessen. Ein eigentlich schickes Lokal ausgesucht. Aber Englisch Fehlanzeige, also mit Hilfe des Händys und Übersetzer Essen und Bier bestellt. Ich möchte gerne etwas warmes mit Fleisch, was kam? Beef-Tartar, mpf, na gut… Aber beim Bier war es noch besser. Die sagen, wir haben Paulaner und lokales Bier. Gut, dann nimmt man natürlich das lokale Bier und tippt das auch so in den Übersetzer – „lokales Bier – KEIN Paulaner“, was kam? Paulaner, grmpf… Auf dem Rückweg zum Hotel wollte ich mir an der Eisdiele noch ein Eis holen, da standen die Tage immer lange Schlangen davor, aber da hab ich Pech gehabt. Die machen um 20 Uhr zu, und es war bereits 20:01, da hat selbst der Weissrusse nichts mehr gekriegt, trotz wildem Gezeter. Nun denn, ab ins Hotel, ich hole mir an der Rezeption noch ein Bier und fange dann schonmal langsam an zu packen. Will morgen etwas früher los, hab da ja wieder einen Grenzübertritt, aber solange wie beim Rein wird es wohl nicht dauern.

Strassenlaternen mal anders
Strassenlaternen mal anders
schau genau und entdecke den Fechtmeister in Dir
schau genau und entdecke den Fechtmeister in Dir

Tag 18 – Brest bis Bielsk-Podlaski (POL) (142 km)

Nach einem ausgiebigen Frühstück habe ich mich um kurz nach acht Uhr auf den Weg gemacht Richtung Grenze. Bei der Einreise habe ich ja gelernt, dass Motorradfahrer immer vorbei fahren dürfen, aber auch in Belarus gibt es immer solche Helden, die einen lieber nicht vorbei lassen. Da musste ich dann etwa eine Stunde warten, bis dann ein anderer Motorradfahrer kam, nach ein bisschen Geschrei und Geschimpfe hat der „Officer“ von Harley-Belarus den Weg frei geräumt und wir konnten vor fahren bis an den Zoll. Und da standen wir  

ihr wollt kompliziert, klar, können wir
ihr wollt kompliziert, klar, können wir

dann. Und wir standen. Und vier Stunden später standen wir immer noch. Nichts ging, gar nichts. Da haben die Behörden beschlossen ein bisschen Domino mit Bürocontainer spielen zu müssen, und solange war einfach keine Abfertigung. Abwechslung brachte lediglich ein kleiner Waldbrand, wo die Grenzer dann ausgerückt sind, um zu löschen. Als es endlich weiter ging, waren wir auch schnell durch. Wir Motorradfahrer, mittlerweile 9 an der Zahl, haben uns gleich im Slalom vorgekämpft bis an die Grenze auf der Brücke. Dort standen wir dann wieder. Die Polen hatten schon genug zu tun mit der Abfertigung und haben einfach wieder zu gemacht. Aber auch die Wartezeit ging vorbei, und letztendlich standen wir am Zoll zur Einreise in Polen. EU-Bürger waren 3 Autos gestanden, da haben sich dann auch die belarussischen Motorradfahrer mit mir eingereiht zur Kontrolle. Ging auch alles relativ fix. Bei der Kontrolle meiner Koffer kam die Zöllnerin dann und wollte gucken. Erste Koffer – Klamotten, Zweite Koffer – Zelt und Campingausrüstung, da meinte sie so „jetzt fehlt nur noch die Küche“. Da hab ich gelacht und gesagt, warte, jetzt im dritten Koffer, da sind Spülsachen, Töpfe und Pfannen. Sie musste spontan auch lachen und zeigt auf den Tankrucksack. „Da ist die Kamera drin“ – ob ich denn auch schöne Fotos gemacht habe? Da habe ich sie auf den Link zu meiner Webseite aufmerksam gemacht, den sie dann abfotografiert und gemeint hat, dass sie sich das anschauen werde. Mal gucken ob sie das auch wirklich tut und eine Nachricht hinterlässt. Zehn Minuten später waren die Einreisepapiere fertig und ich konnte des Weges ziehen. Mittlerweile war es 16 Uhr durch, weit werde ich heute nicht mehr kommen, aber das macht nichts. Kurz vor meinem geplanten Ziel kam ich in Sarnaki noch an dem Ort vorbei wo bei einem Test eine der ersten V2-Raketen eingeschlagen ist, schon ein riesen Teil, wenn man den originalen Nachbau betrachtet.

da rücken sie aus, und waren auch nach zwei Stunden noch nicht zurück
da rücken sie aus, und waren auch nach zwei Stunden noch nicht zurück
Kinderspielplatz neben der Rakete, ich weiss ja nicht
Kinderspielplatz neben der Rakete, ich weiss ja nicht

abends der Blick von meinem Hotel, da fühlt man sich doch wohl
abends der Blick von meinem Hotel, da fühlt man sich doch wohl

Tag 19 – Bielsk-Podlaski bis Morag (380 km)

Heute geht es wieder in die Masuren. Es ist einfach wunderschön dort. Sowohl landschaftlich als auch zum Fahren. Gut, mit so einer Rennsemmel wird man da vielleicht nicht glücklich, da es nach wie vor einige unbefestigte Strassen gibt, oder Strassen mit Kopfsteinpflaster, aber mit der BMW wie ich eine habe, ist man da genau richtig. Vor neun Jahren war ich ja schon einmal in der Ecke, damals hatte ich mir als Highlight die Wolfsschanze und den Führerbunker, oder was davon übrig ist, angeschaut. Auch diesmal soll die Kultur nicht zu kurz kommen und so gab es zuerst einen kurzen Stopp am Schloss von Graf Lehndorff. Vom einstigen Glanz ist nicht mehr viel übrig, aber wenn ich das richtig verstanden habe wird aktuell restauriert. Ein paar Kilometer später dann der nächste Bunker. Oberkommando des Heeres – Museum Mauerwald. Ein Aussichtsturm erlaubte Blicke über die Masuren wie man sie sonst nicht bekommt, auch wenn es nicht unbedingt eine gute Idee ist, die 200 Stufen in der Motorradkluft zu erklimmen. Den Führerbunker habe ich dann links liegen lassen und mich auf den weiteren Weg Richtung meinem zweiten Ziel dieser Reise zu machen. In Morag habe ich dann mein Zimmer bezogen, lecker gespeist, ein Bier getrunken und nach einem weiteren anstrengenden Tag die Flügel gestreckt.

am Mauerwald der Blick vom Aussichtsturm
am Mauerwald der Blick vom Aussichtsturm

Tag 20 – Morag bis Danzig (119 km)

Viel zu früh wurde ich geweckt, weil die Vorhangattrappen natürlich nicht verhindern, dass morgens um kurz nach vier die Sonne ins Zimmer scheint. Den Sinn von diesen Dingern habe ich bis heute nicht verstanden, was soll das? Als dann um kurz nach halb sieben der Hausmeister auch noch mit der Motorsense vor meinem Schlafzimmer angefangen hat Lärm zu machen, war ich endgültig wach. Naja,

mein zweites Ziel des Urlaubs ist erreicht
mein zweites Ziel des Urlaubs ist erreicht

egal. Weit ist es nicht mehr bis Danzig, meinem zweiten Ziel. Dort treffe ich mich mit Andreas zum Mystic Festival. Das Zimmer ist gebucht, aber kann regulär erst ab 15 Uhr bezogen werden, eigentlich habe ich also viel Zeit. Andreas reist mit dem Zug an und ist planmässig um ca. 12 Uhr da. Das sollte ungefähr hinhauen mit meiner Fahrstrecke. Um halb zwölf war ich schon da, die Frage ob das Zimmer bereits fertig ist, wurde verneint. Blöd, da ich mich ja umziehen muss und vielleicht auch noch eine kurze Dusche nehmen sollte. Eine Stunde später, Andreas war mittlerweile angekommen, haben wir nochmal gefragt ob das Zimmer fertig ist, und siehe da. Ich konnte mich ausbreiten, duschen, umziehen und dann sind wir losgetrabt in Richtung Festivalgelände. Erstmal ein Bier holen und das Gelände erkunden, was ist wo, wo gibt es Bier, wo gibt es essen, wie sind die Bühnen. Achja, hab ich erwähnt, das wir gleich noch ein Bier geholt haben. Viel mehr muss ich zum Festival heute (und auch die nächsten Tage) glaube ich nicht schreiben – Festival halt, Prost!

Tag 21 – Danzig

Wenn man schon mal in Danzig ist, dann muss man auch in die Stadt. Da das Festival immer erst mittags ab 15 Uhr beginnt, haben wir ja ein bisschen Zeit uns die Stadt anzuschauen. Nach einem ausgiebiegen Frühstück ging es los. An der Markthalle vorbei zur Basilika. Blöde

Blick von der Basilika
Blick von der Basilika

Ideen haben oft sofort Konsequenzen und so haben wir uns 409 Stufen später auf dem Turm der Basilika wieder gefunden. Wahnsinns Aussicht, und gerade noch rechtzeitig. Denn kaum hatten wir unsere Fotos gemacht strömt eine ganze Schulklasse auf die kleine Aussichtsplattform, dass wir, auch wenn wir gerne noch länger geguckt hätten, lieber die Flucht nach unten angetreten haben. Weiter zum Neptunbrunnen und uns mit den anderen Touris in die Schlange für das Foto einreihen. „Ziemlich viel los hier, lass uns in eine Nebengasse gehen und ein Bierchen trinken“. Gesagt getan. Die Suche nach dem Mittagessen hat uns dann noch am Museum des zweiten Weltkrieg vorbei geführt und pünktlich zur Türöffnung waren wir dann wieder auf dem Festival, wo wir Bands wie Gotalax, Bruce Dickinson, High on Fire, Machine fucking Head und viele andere angeschaut haben.

der berühmte Neptunbrunnen
der berühmte Neptunbrunnen
Museum des zweiten Weltkriegs
Museum des zweiten Weltkriegs

Machine fucking Head
Machine fucking Head

Tag 22 – Danzig

Zweiter Tag in Danzig, google hat was interessantes ausgespuckt, das wollten wir sehen. „Friedhof der kein Friedhof ist“, na dann. Um es vorweg zu nehmen, es ist ein Friedhof. Zuerst ging es aber auf den Hagelsberg, von wo aus man einen schönen Blick über die Stadt und das Werftgelände hat. Wenn man schon grad oben ist, läuft man noch durch die Festungsanlage. Auch hier könnten sie, wie in Belarus, durchaus auch das ein oder andere auf Englisch beschriften, sonst macht das keinen Spass. Nun zur Suche nach dem Friedhof der kein Friedhof ist, das war dann mal wieder, „da ist ein Weg, da muss es doch lang gehen“ und endet in grossen Umwegen und Schleifen bis man da ist wo man hin will. Ja, dann waren wir auf dem Friedhof und nachdem wir den gesehen haben kurz noch an dem Campinggelände fürs Festival vorbei. Hm, joa, also nee, bin dann doch froh an unserem Hotel. Nach einem kurzen Mittagessen ging es dann wieder zum Festival wo wir heute mit Insomnium, Paradise Lost, Accept und anderen Grössen wieder tolle Shows geboten bekommen haben.

Blick vom Hagelsberg
Blick vom Hagelsberg
neulich auf dem Festival
neulich auf dem Festival

Tag 23 – Danzig